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Kräftiges Wachstum Erzumschlag Rotterdam
Der Umschlag von Erzen und Schrott im Rotterdamer Hafen ist in den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 um gut 13 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen. In Millionen Tonnen gerechnet, stieg der Durchsatz von 18,8 auf 21,4 Millionen. Gegenüber dem ersten Quartal (+15 Prozent) ging das Wachstum leicht zurück. Erwartungsgemäß setzt sich diese Bewegung in der zweiten Jahreshälfte fort. Die Aussichten für die Stahlproduktion bleiben positiv, aber kurzfristig wird die rückläufige Wirtschaft das Wachstum drücken. Mittel- bzw. langfristig stärkt Rotterdam seine Position bei der globalen Logistik von Erzen und Stahl.

Die Einfuhr von Erz wurde bis einschließlich Juni durch Kapazitätsprobleme in den Ladehäfen gestört, wodurch die Vorräte in Rotterdam ein niedriges Niveau erreichten – bei einer, trotz des rückläufigen Wirtschaftswachstums in der EU und den Vereinigten Staaten, anhaltend großen Nachfrage nach Stahl. Die Stahlproduktion in der EU liegt bislang, ebenfalls wie im vergangenen Jahr, auf einem hohen Niveau mit 108,4 Millionen Tonnen (108,5 Millionen Tonnen in der ersten Hälfte des Jahres 2007). Daneben investierten die für Rotterdam bedeutenden Hersteller in eine Ausweitung ihrer Produktionskapazität. ThyssenKruppSteel (TKS) nahm im Januar einen neuen Hochofen in Betrieb, und im April wurde Hochofen 1 nach einer zwei Monate dauernden großen Überholung wieder gestartet. Der TKS Hochofenkomplex liegt in Duisburg und wird mittels Schubschifffahrt über Rotterdam beliefert. Bei ArcelorMittal wurde im Februar ein Hochofen in Liège wieder in Betrieb genommen. Andere bedeutende Kunden für Rotterdam sind Voest Alpine in Österreich, die Dillinger Hüttenwerke im Saarland sowie die Stahlwerke Bremen; letztgenannte gehören ebenfalls zu ArcelorMittal.

Der Export von Schrott lag auf einem hohen Niveau, zirka 900.000 Tonnen gegenüber zirka 700.000 Tonnen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres, dank der auf vollen Touren laufenden türkischen Stahlindustrie.

Rotterdam ist der größte europäische Erzhafen mit einem Marktanteil von 40 Prozent, Brasilien ist das bei weitem bedeutendste Herkunftsland. Die Einfuhr erfolgt beim EECV, das ausschließlich für TKS arbeitet, und beim EMO. Kleinere Seeschiffe übernehmen die Durchfuhr nach Bremen, doch der Löwenanteil wird per Binnenschifffahrt und Bahn befördert. Die Betuwe-Route wird zunehmend genutzt, da die höheren Kosten für die Nutzung unter dem Strich durch den Vorteil einer ungehinderten Fahrt aufgewogen werden. Ungeplante Stopps im gemischten Netz kosten viel Strom und Geld.

Für Rotterdam ist Brasilien das mit Abstand bedeutendste Herkunftsland von Erz. Der Lieferant ist Vale (vorher Companhia Vale do Rio Doce – CVRD). Die Erzpreise sind seit 2005 stark gestiegen, in diesem Jahr sogar um 70 Prozent. Daneben haben sich die Transportkosten aufgrund der knappen Schiffskapazität in drei Jahren auf zirka 15 Dollar pro Tonne verdoppelt. Der Einfluss dieses Faktors auf die Einfuhr hält sich jedoch in Grenzen, solange die Kosten weitergegeben werden können. Dabei ist der niedrige Dollarkurs günstig für die europäischen Importeure. Die große Nachfrage nach Stahl ist deshalb führend. Es ist allerdings ein Preiseffekt rund um die jährliche Festsetzung der Erzpreise im April möglich, und ferner spielen die höheren Kapitalkosten von Vorräten eine Rolle. Diese Kosten wiegen jedoch weniger schwer, wenn die Lieferung von Erz knapp und unregelmäßig ist. Die drei größten Erzproduzenten, Vale (83 Millionen Tonnen), Rio Tinto (37) und BHP Billiton (28), mit einem Anteil von 75 Prozent im Überseehandel steigern in den kommenden Jahren die Produktion um 5-10 Prozent pro Jahr. Die anhaltend große Nachfrage nach Stahl lässt die Erzpreise erwartungsgemäß dennoch um jährlich 10-20 nProzent steigen. Daneben bleibt die Transportkapazität vorläufig ein Problem. Der Ausbau von Ladehäfen und die Ausweitung der Schiffskapazität kosten Zeit.

Lieferanten und Hersteller reagieren auf die starke Marktdynamik mit vor- beziehungsweise rückwärtsgerichteter Integration. Der Hafenbetrieb Rotterdam (HbR) spielt bei diesen globalen strategischen Prozessen eine unterstützende Rolle. Die großen Stahlproduzenten begeben sich zur Quelle, indem sie selbst Bergwerke betreiben, wie zum Beispiel ArcelorMittal u.a. in Indien, die Beteiligung an Bergbaugesellschaften erwägen oder in größerer Nähe zu den Bergwerken Rohstahl erzeugen. So gießt TKS ab 2009 so genannte Brammen (Stahlplatten) in Brasilien, die über das im Bau befindliche Steinweg-Terminal auf der Maasvlakte nach Deutschland transportiert werden. Vale integriert vorwärtsgerichtet, indem es eine beträchtliche Zahl von Super-Erzschiffen bauen lässt, sowie durch den Bau einer Fabrik für Erzpellets im Hafen Sohar, wo der HbR sich an den Investitionen in die Infrastruktur beteiligt. Abschließend wird in Rotterdam die Umschlagkapazität für Fertigstahl weiter ausgebaut.
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Datum: 11.08.2008
Quelle: Port of Rotterdam
Redakteur: uk
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