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Transporte von Gütern, die in einem bestimmten Temperaturbereich befördert werden müssen, nehmen stark zu. Bisher jedoch ging das Wachstum am Kombinierten Verkehr (KV) von Straße und Schiene vorbei. Eine neue Technik könnte das ändern. Seit April befördert Kombiverkehr, der europäische Marktführer für die Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene, temperaturgeführte Güter auf Zügen im internationalen Ganzzugnetz. "Bisher gab es keine kranbaren Thermo-Trailer und für den Schienentransport fehlte eine Energieversorgung der Kühlaggregate sowie eine Möglichkeit, die Temperatur zu kontrollieren und zu überwachen", sagt Armin Riedl, Geschäftsführer von Kombiverkehr. "Diese Probleme können als gelöst betrachtet werden."
Für den Durchbruch sorgen kranbare, isolierte Sattelanhänger, die der Kombiverkehr-Gesellschafter Mainsped im Auftrag des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis seit einem halben Jahr erfolgreich getestet hat. "Wir haben uns auf dem Markt nach bewährten Einzelkomponenten umgeschaut, diese zusammenstellen lassen und damit eine neue Lösung geschaffen", sagt Ulrich Banse, Geschäftsführer der Rüsselsheimer Spedition, die sich auf den internationalen Fernverkehr unter anderem zwischen Deutschland, Italien und Spanien spezialisiert hat und über eigene Netzwerke in diesen Ländern verfügt. Die neuen Trailer verfügen einerseits über eine autarke Energieversorgung ihres Kühlaggregats. Andererseits kann die Temperatur im Inneren des so genannten Thermokoffers fernüberwacht und -gesteuert werden. "Eine ähnliche Technik hat sich schon in Norwegen bewährt, sie war in Mitteleuropa jedoch nahezu unbekannt und wurde jetzt erstmals im internationalen Kombinierten Verkehr eingesetzt", erläutert Riedl. Das Thermoaggregat, das die Temperatur im Inneren des Trailers konstant in dem vom Versender geforderten Bereich zwischen zwei und acht Grad Celsius hält, wird von einem eigenen Kraftstofftank unter dem Anhänger gespeist. Ebenfalls ist in dem Aggregat ein Datenfunkmodem untergebracht, das die Temperaturdaten aus dem Fahrzeug regelmäßig an die Disposition des beauftragten Spediteurs übermittelt. Auf diese Weise kann nicht nur die Temperatur überwacht werden, sondern die Disponenten haben gleichzeitig die Möglichkeit, die Temperatur aus der Ferne zu steuern. Auch die Einstellung anderer Temperaturbereiche ist möglich.
Bei den Tests zwischen Oktober 2007 und März 2008 waren die Sendungen mit empfindlichen pharmazeutischen Gütern im Italienverkehr sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, unter denen sich die Technik ausnahmslos bewährt hat. Nach den positiven Erfahrungen fahren deshalb seit April weitere Mainsped-Sattelanhänger mit temperaturgeführten Gütern desselben Kunden auch auf Zügen zwischen Ludwigshafen und Budapest. Die Kapazität der Kraftstofftanks ist so ausgelegt, dass die Trailer einen kompletten Rundlauf auf der Schiene ohne Betankung hinter sich bringen. Die Trailer, die Ludwigshafen montags verlassen, werden in Budapest in der Wochenmitte entladen, nehmen neue Ware auf und sind am Freitag wieder in Ludwigshafen, ohne die Tanks zwischendurch aufzufüllen. Riedl: "Kombiverkehr testet regelmäßig gemeinsam mit Kunden technische Innovationen. Bei der geprüften Kombination, die vom Anhängerhersteller Schmitz und dem Aggregatliefertanten Thermoking stammt, sind wir sicher, dass damit der Durchbruch für temperaturgeführte Transporte im Kombinierten Verkehr Schiene-Straße möglich ist."
Die innovative Lösung wurde im Rahmen des EU-Projektes "CREAM" entwickelt. In dem Projekt sollen künftig noch weitere Möglichkeiten zum Transport temperaturgeführter Güter auf Basis kostengünstiger, standardisierter und bewährter Einzelkomponenten erarbeitet werden. Die Abkürzung CREAM steht für "Customer-driven Rail-freight services on a European mega-corridor based on Advanced business and operating Models".
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