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Logistik ist ein Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung
Mit einer Auftakt-Pressekonferenz in Dortmund wurde gestern der erste bundesweite Tag der Logistik offiziell eröffnet. Die Initiatoren und Veranstalter erwarteten bei 212 Veranstaltungen rund 20.000 Teilnehmer, die einen Blick hinter die Kulissen der Logistik in Industrie, Handel und den Dienstleistungen werfen oder sich über die Angebote der Ausbildungs- und Studiengänge im Bereich Logistik informieren. Der drittgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands zeigt Flagge.

Was dem Auge der Öffentlichkeit oft verborgen ist, wird erlebbar. Logistik wird in der Wahrnehmung häufig auf "Transport, Umschlag und Lagerung" reduziert. Doch es geht weit darüber hinaus: Logistik bedeutet Planung und Steuerung aller Informations- und Materialflüsse zwischen Kunden und Lieferanten, aber auch innerhalb von Unternehmen. Der Montagesteuerer aus der Automobilfabrik, der Versandleiter im Lebensmittelhandel, der Einkäufer eines chemischen Betriebs und der Disponent eines Spediteurs – sie alle sind mit Logistik befasst.

Einige Beispiele für die Angebote am Tag der Logistik:
Audi bietet in Ingolstadt Erlebnisführungen zu vier unterschiedlichen Themen: Aktuelles zu den Aktivitäten der Logistik bei der Audi AG, Logistik in der Montage des Audi A3, JIT vom GVZ an die Montagelinie, Karriere mit Perspektive: Einstiegsmöglichkeiten bei der Audi AG im Bereich Logistik.
Die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg ermöglicht die Besichtigung ihrer Logistiklabors zu Telematik, RFID und Steuerung. In Versuchshalle, Logistiklabor und Kommissionierlabor zeigen die Wissenschaftler den neuesten Stand der technologischen Entwicklung in der Logistik.
Die Logistikinitiative Hamburg hat gemeinsam mit vielen Partnern in der Hansestadt ein Paket von knapp 40 Veranstaltungen geschnürt. Im Detail bieten die Veranstalter in Hamburg mehr als 70 Führungen mit einer Kapazität von mehr als 2.200 Besuchern an.
DB Schenker, das Transport- und Logistikressort der Deutschen Bahn AG, macht an insgesamt acht Standorten in ganz Deutschland Logistik für Schüler und Studenten erlebbar. So gewährt das Unternehmen beispielsweise bei Exkursionen zu den Containerterminals Duisburg und Großbeeren oder zum Rangierbahnhof Maschen Einblicke in die Abläufe.
Bei Libri in Bad Hersfeld können die Besucher am Tag der Logistik erleben, wie Bücher bewegt werden.

Ein Blick auf die Zahlen, die regelmäßig von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistikdienstleistungswirtschaft ATL in Nürnberg errechnet werden:
Der Logistik-Umsatz der deutschen Wirtschaft erreichte im vergangenen Jahr knapp 210 Milliarden Euro – nach 189 Milliarden Euro in 2006. Hinter der Automobilindustrie und dem Handel rangiert die Logistik damit in Deutschland auf Platz drei. Bemerkenswert ist die Aufteilung: Zur Hälfte werden diese Logistikleistungen vom Logistikdienstleistungs-sektor erbracht, die andere Hälfte ist "Eigenleistung" von Industrie und Handel. Für 2008 rechnen die Experten von Fraunhofer ATL in Nürnberg mit einem weiteren deutlichen Wachstum in einer Dimension, die sich auf etwa sieben Prozent belaufen dürfte.

Die Zahl der in der Logistik Beschäftigten in Deutschland dürfte nach vorläufigen Berechnungen von 2006 auf 2007 um rund 100.000 auf 2,7 Millionen gestiegen sein. Mangels einer offiziellen Statistik beruht diese Zahl auf konservativen Schätzungen. Die Logistik ist somit ein Jobmotor der deutschen Wirtschaft. Ein Indiz für das erreichte Niveau ist der spezielle Bedarf an hochqualifizierten Logistik-Experten, auf den die Technische Universität Berlin hinweist. In diesem Teilarbeitsmarkt der Logistik sind im Moment Wachstumsraten von rund 20 Prozent zu beobachten. "Logistik ist integraler Bestandteil nahezu sämtlicher Wirtschaftsprozesse. Sie ist somit einerseits omnipräsent und andererseits oftmals hinter Produkten und Prozessen verborgen, die durch sie erst möglich werden", so Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands der BVL und als Vorsitzender des Vorstands der Knorr-Bremse AG auch Experte für die logistischen Abläufe in der Industrie.

Ein Blick auf die Rahmenbedingungen zeigt die komplexe Welt, in der Unternehmen sich derzeit bewegen: Dynamische Märkte, differenzierte Kundenbedürfnisse, steigende Rohstoffpreise und schwankende Wechselkurse. – Kaum eine Einflussgröße im komplexen Geflecht der unternehmerischen Beziehungen ist heute noch zuverlässig vorhersagbar. In diesem Umfeld Effektivität, Effizienz und ein stabiles Wachstum zu erzeugen, stellt für Unternehmen und Volkswirtschaften gleichermaßen die Herausforderung der Zukunft dar. Klinkner: "Im Umgang mit dieser Herausforderung hat sich die Logistik als entscheidendes Erfolgskriterium herausgebildet. Wer in der Logistik und der mit ihr eng verbundenen IT Know-how, Technologieführerschaft und Innovationskraft mitbringt, sichert seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig. Ganzheitliche Konzepte erschließen Potenziale und sichern oder schaffen Arbeitsplätze. Logistik ist nicht zu unterschätzen!"

Aus Sicht des Handels berichtete Christian Berner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lekkerland. "Um die Konsumentenbedürfnisse jederzeit zu befriedigen, ist es Aufgabe von Convenience-Spezialisten wie Lekkerland, die Supply Chain permanent zu optimieren – bei stetig sinkendem Einsatz von Ressourcen, Zeit, Geld und Emissionen. Die Supply Chain ist nie statisch und die optimale Bestandsführung erfordert die Antizipation sehr variabler Einflussfaktoren. Es geht darum, einerseits Out-of-Stock-Situationen stets zu vermeiden und andererseits die Kapitalbindung zu minimieren. Supply Chain Management ist deshalb für Großhandelsunternehmen eine notwendige Unternehmensfunktion", so Berner in Dortmund.
Michael Kubenz, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes und Inhaber der Kube & Kubenz Internationale Spedition- und Logistikgesellschaft mit Sitz in Hamburg, ging auf den Fachkräftemangel ein: "Es fehlen neben gut ausgebildeten Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung, Logistikern und Informatikern zuverlässige und flexible Mitarbeiter für die Basisleistung Transport, Umschlag und Lagerung. Gerade die jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit von März 2008 belegen es: 13.000 offene Stellen für Kraftfahrzeugführer und 13.000 für Mitarbeiter im Lager- und Transportbereich sind gemeldet. Unter den Top Ten gehören sie zu den meist gesuchten Arbeitnehmern."

Forschung und Lehre war auf dem Podium der Pressekonferenz durch Prof. Dr. Michael ten Hompel repräsentiert, Geschäftsführender Institutsleiter, Fraunhofer IML, Dortmund. "Logistikforschung ist eine spannende Disziplin, die vieles in Bewegung bringt", so der Wissenschaftler. Die Bedeutung der Logistik als Wirtschaftsfaktor und Jobmaschine trete immer klarer zutage und damit die hervorragenden Berufsaussichten. "Logistikforschung, Wissenschaft und Wirtschaft stehen vor beträchtlichen Aufgaben und vor großen Chancen. Schon heute konkurrieren Unternehmen aller Branchen bei der Suche nach dem akademischen Logistiknachwuchs. Neben dem quantitativen Wachstum ist auch eine qualitative Entwicklung gefordert", so das Fazit ten Hompels.
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Branchenbuch: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
Datum: 18.04.2008
Quelle: Seifert Logistics Ulm
Redakteur: ke
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