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Rail Cargo Austria kauft ungarische MAV Cargo
Die Österreichischen Bundesbahnen haben für 404 Mio. Euro die ungarische Güterbahn MAV Cargo gekauft und sind so mit einem Schlag die drittgrößte Güterbahn in Europa.

Rail Cargo Austria (RCA), der Güterverkehrsbereich der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), treibt seine Expansion voran und hat Anfang des Jahres in Ungarn ganz groß eingekauft: 102 Mrd. Forint oder 404 Mio. Euro war der RCA der Kauf der Gütersparte der Ungarischen Staatsbahnen MAV wert. Mit dieser Übernahme ist die ÖBB nach der Deutschen Bahn (DB) und der Französischen Bahn (SNCF) auf Platz drei der Güterbahnen in Europa avanciert.

MAV Cargo beförderte 2006 rd. 46 Mio. Gütertonnen und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 2,8 Mrd. Forint (10,9 Mio. Euro). Vom Volumen entfallen rd. 25 Prozent auf den Kombi-Verkehr und 75 Prozent auf den Wagenladungsverkehr. Auf rd. 14 Mio. Gütertonnen kommt allein der Verkehr zwischen Ungarn und Österreich.

Bis 2010 will RCA die Nummer 1 in Südosteuropa sein. Bislang war RCA im Ostgeschäft von einer slowakischen oder ungarischen Bahn abhängig. Jetzt hat RCA zwischen der schweizerischen und der ukrainischen Grenze freie Fahrt und die Produktionshoheit über die gesamte Strecke. „Mit dem Kauf der MAV Cargo sind wir unserem strategischen Ziel, die größte Bahn in Südosteuropa zu werden, nähergekommen“, freut sich ÖBB-Holding-Chef Martin Huber. Ganz unter Dach und Fach ist der Kauf allerdings noch nicht, zumal die österreichische Wettbewerbsbehörde noch sechs Monate Zeit hat, die möglichen Auswirkungen auf den Wettbewerb unter die Lupe zu nehmen.

Die großen Chancen sieht RCA im Ausbau der Verkehre entlang der Donauachse sowie auf der Achse in die Ukraine. So kann sich RCA gut vorstellen, z.B. in die riesige, jedoch in die Jahre gekommene Waggon-Umspuranlage in Zahony an der ukrainischen Grenze zu investieren. „Das hängt auch davon ab, wie wir mit Kunden langfristige Partnerschaften aufziehen können“, erklärte ÖBB-Holding-Vorstand Gustav Poschalko und versprach, dass die Kunden die Folgen der Übernahme schon bald im Positiven zu spüren bekommen werden. „Wir können den Kunden einen durchgehend stabilen Preis anbieten und sind in der Wagendisposition deutlich flexibler als bisher“, hob Poschalko hervor.

Mit dem Kauf übernimmt RCA nicht nur sämtliche Fracht-affine Tochtergesellschaften, sondern auch gleich eine Waggonfabrik in Miskolc im Osten von Ungarn. Dort werden derzeit jährlich rd. 300 Güterwagen produziert – zu deutlich günstigeren Kosten als in Westeuropa. Daher könne man sich bei RCA gut vorstellen, die Produktion auf 1 000 Wagen pro Jahr hochzufahren und sich damit auch als Wagenproduzent in Europa zu etablieren. Gleichzeitig sollen die dortigen Ressourcen für die Revision der eigenen Wagenflotte genutzt werden. RCA bekommt von MAV-Cargo 13 000 Güterwagen, von denen sich 9 000 in einem guten Zustand befinden und nach einer Revision für den internationalen Einsatz tauglich sind. Bei den restlichen 4 000 muss schon mehr Hand angelegt werden. Und selbst solche, deren Nutzungsdauer nicht mehr allzu lange läuft, sind nicht wertlos. „Bei den heutigen Stahlpreisen hat auch ein schrottreifer Waggon seinen Preis“, erläuterte Poschalko. RCA hat derzeit ein Wagenbeschaffungsprogramm laufen, das mit 400 Mio. Euro zu Buche schlägt und die Aufstockung des Wagenparks bis 2011 um 5 000 Einheiten vorsieht. Der aktuelle gemeinsame Wagenpark von RCA und MAV Cargo umfasst 32 000 Wagen unterschiedlicher Bauarten.

Was die MAV-Tochtergesellschaften betrifft, so werden diese nicht in die RCA-Speditionsholding integriert, sondern agieren weiterhin eigenständig. RCA verfügt durch die Speditionsholding über rd. 60 Beteiligungen in Osteuropa und hat in den vergangenen Jahren ein engmaschiges Netzwerk aufgezogen. In dieses passt MAV Cargo jetzt genau hinein.

Bild (ÖBB): Mit der Übernahme der ungarischen Güterbahn hat Rail Cargo Austria nun freie Fahrt von der schweizerischen bis zur ukrainischen Grenze.

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Datum: 20.03.2008
Quelle: Logistik für Unternehmen
Redakteur: Josef Müller
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