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Die Schweizer Post modernisiert ihre Briefzentren mit Siemens und Interroll
Automatische Prozesse vom Wareneingang bis zum Warenausgang - so lässt sich das neuen Briefzentrum der Schweizerischen Post in Zürich-Mülligen kurz und knapp beschreiben. Es ist Teil eines Projektes, das das gesamte Netzwerk des Schweizer Post-Dienstleisters bis Ende 2008 umstrukturiert.

Da auch in der Schweiz in den nächsten Jahren eine vollständige Liberalisierung des Briefmarktes ansteht, entschloss sich die Schweizer Post (SP) im Jahr 2002 ihre Briefverarbeitung völlig neu zu konzipieren. Im Rahmen des Projekts "Reengineering Mail Processing" (REMA) nahm der Post-Dienstleister eine Umordnung seiner Netzwerkes, von ehemals 18 Sortierzentren, vor. Mit drei verkehrstechnisch optimal platzierten Hauptzentren in Zürich-Mülligen, Härkingen und Eclépens, sechs regionalen Subzentren sowie zwei Retouren- und Videocodierzentren fällt die neue Struktur deutlich schlanker aus. Durch standardisierte Abläufe und einen hohen Automatisierungsgrad in den neuen Zentren sollen nicht nur die Kosten reduziert, sondern auch die Effizienz und die Kundenorientierung weiter gesteigert werden. Als öffentlich-rechtliches Unternehmen musste die SP bestimmte Regeln bei der Ausschreibung der Anlagetechnik (inkl. Prozesssteuerung), Förder- und Lagertechnik sowie Informatik beachten und war daher gezwungen, das Projekt in einzelnen Losen auszuschreiben. Den Zuschlag für die Fördertechnik für Sammelbehälter und lose Sendungen ging an die Gilgen Logistics Systems AG, Bern/Schweiz, die Briefsortieranlage für Briefe im Großformat kommt von der japanischen NEC Corporation. Das größte Auftragsvolumen ging an den Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services (I&S), Konstanz, der mit der Systemintegration, den Sortieranlagen für Standardbriefe, Lagergestellen und der Fördertechnik für Briefbehälter beauftragt wurde und sich für den Quergurtsorter die Interroll AG, Sant'Antonio/Schweiz, ins Boot holte.

Als erstes der drei Haupt-Briefzentren wurde Zürich-Mülligen im Juli 2007 in Betrieb genommen. Täglich werden hier über 4 Mio. Sendungen von rd. 1200 Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb bearbeitet. Insgesamt sind 9 km Förderstrecke, 15 Sortieranlagen und 100.000 Briefbehälter 21 Stunden pro Tag im Einsatz.
Nach dem Entladen der Sammelbehälter, die per Bahn oder Lkw angeliefert werden, entleeren Roboter die Briefbehälter und führen sie der Verarbeitung zu. Dabei unterscheidet die SP zwischen A-Post (nationale Zustellung am nächsten Werktag), B-Post (nationale Zustellung innerhalb von zwei bis sechs Werktagen) und internationaler Post. Die A-Sendungen gehen direkt weiter in die Sortierung an eine der 15 Sortiermaschinen mit einer Kapazität von je 40 000 Briefen/Stunde. B-Sendungen, kommen in ein Hochregallager (HRL) für 80 000 Briefbehälter und werden nach den Hauptlaufzeiten sortiert. Internationale Post wird sortiert und an die jeweils zuständigen Verteilzentren in der Schweiz weitergeleitet.
Die Sortier-Maschinen im Eingangsbereich müssen daher in der Lage sein anhand der Briefmarken zu erkennen, um welche Art von Post (A, B oder International) es sich handelt und diese entsprechend zuzuordnen.

"Die Entscheidung für ein HRL im Briefzentrum war wichtig, da wir so für unsere B-Post einen Prozesswechsel von Push zu Pull erreichen konnten", betonte Peter Stoop, Leiter des REMA-Projektes bei der SP. Das Sortieren der Behälter auf die mehr als zwanzig Module des Briefbehälterlagers übernehmen zwei Interroll Quergurtsorter, die hier übereinander, mit horizontaler Förderstrecke, durch das Briefzentrum laufen (Bild 1). Pro Minute verteilt der Sorter ca. 170 Briefbehälter, d.h. etwa 10.000 pro Stunde. "Zum ersten Mal wurde ein Automatic Storage und Retrieval System (ASRS) so mit einem Quergurtsorter kombiniert, dass der Sorter das HRL direkt füttert - ohne Vorzone oder Ähnliches, d.h. der Sorter fährt direkt ins HRL. Das ist eine Art Weltpremiere und war ein spannender Aspekt dieses Projektes für uns", erläuterte Dr. Torsten Tanz, Produktmanager bei Siemens I&S. Diese Anbindung war ein Grund, weshalb sich der Systemintegrator Siemens für Interroll als Partner entschieden hatte (Bild 2): Das Plug-and-Play-Design und die vormontierten Sortermodule ermöglichten eine schnelle und einfache Integration in das Gesamtsystem. Für die Systemsteuerung war hier die Vorgabe hohe Flexibilität und jederzeit Zugang zu den Briefbehältern zu gewährleisten.
Im Ausgangsbereich kommen ebenfalls zwei übereinander gelagerte Quergurtsorter jeweils mit einer Länge von 55 m und einer Kapazität von 10.000 Behältern/Stunde zum Einsatz. Die direkt sortierten A-Post-Behälter und die automatisch ausgelagerten, versandbereiten B-Post-Behälter aus dem HRL, kommen über die Sorter zum jeweiligen Postausgangsbereich für eine bestimmte Richtung, werden dort von Robotern auf bereitstehende Trolleys geladen und finden ihren Platz im Lkw bzw. im Bahnwagon.

Die Steuerung der neuen Anlage erforderte auch die Neukonzeptionierung des Materialflusses. Ziel war es, einen permanenten Überblick über das aktuelle Volumen zu haben und dieses automatisch einzelnen Bereichen zur Abarbeitung zuzuordnen. Dies erfolgt durch ein Prozessleitsystem (PLS), das alle Abläufe im Briefzentrum lenkt und eine durchgehende Verarbeitung der Sendungen ermöglicht. Hierfür musste Siemens alle Anlagen der verschiedenen Lieferanten in einem System integrieren. Lediglich im Warenein- und -ausgang und beim Sortieren eines kleinen Teils, maschinell nicht verarbeitbarer Sendungen, wird manuell gearbeitet.
Zusätzlich vernetzt das Produktions-Planungssteuerungssystem (PPS) die Planung und Steuerung aller neuen Zentren und bildet damit das Gehirn der Schweizer Briefverarbeitung.



Autor: Bettina von Janczewski
Bild 1: Der Quergurtsorter im Eingangsbereich läuft auf zwei Ebenen übereinander durch das Briefzentrum.
Bild 2: Das HRL wird direkt vom Quergurtsorter beliefert.
Bilder: Interroll (Mehr Artikel von Logistik für Unternehmenmehr)
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Datum: 14.02.2008
Quelle: Logistik für Unternehmen
Redakteur: sp
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