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Statt Kohle werden nun Pakete gefördert: Hermes Logistik Gruppe nimmt neues West-HUB in Betrieb
Am 5. Oktober nahm die Hermes Logistik Gruppe (HLG), Hamburg, ihr neues, rd. 12.000 qm großes Distributionszentrum im nordrhein-westfälischen Hückelhoven in Betrieb (Bild 1). Künftig werden hier an 360 Tagen im Jahr bis 50 Mio. Sendungen verarbeitet. Das neue West-HUB, in das die HLG rd. 35 Mio. Euro investiert hat, ist direkt an die Auslieferung des Teleshopping-Unternehmens QVC angeschlossen.

"Egal wie weit weg - Wir finden einen Weg", ertönt es im neuen Werbefilm der Hermes Logistik Gruppe (HLG). Um diesem Motto gerecht zu werden, eröffnete der Hamburger KEP-Dienstleister Anfang Oktober sein inzwischen siebtes HUB. Neben den Verteilzentren in Hamburg, Haldensleben, Altenkunstadt, Hanau, Wiesbaden, Langenselbold und dem im Bau befindlichen achten HUB in Friedewald, soll das Distributionszentrum in Hückelhoven laut Hanjo Schneider (Bild 2), Vorsitzender der Geschäftsführung der HLG, "das Tor nach West-Europa" werden. Damit spielt das neue HUB für das internationalen Wachstum des KEP-Dienstleisters eine bedeutende Rolle. "Schon heute verarbeiten wir hier die Sendungen unserer Großkunden aus Frankreich, den Niederlanden, Österreich und England. Das Mengenaufkommen wird sich durch unser kontinuierlich wachsendes Europageschäft weiter steigern", erläuterte Schneider. Allein von März 2006 bis Februar 2007 verzeichnete HLG ein Wachstum des Bruttoumsatzes von 11,5 Prozent auf rd. 1,02 Mrd. und einen Zuwachs auf 235 Mio. Sendungen (rd. 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum). Im Privatkunden-Segment konnte das Unternehmen mit 23,6 Mio. Sendungen sogar um 79 Prozent zulegen. Damit ist die 100%-ige Tochter des Otto-Konzerns nach eigenen Angaben Deutschlands größter postunabhängiger Consumer-Logistiker. Der Dienstleister transportiert fast alles vom Brief über Pakete bis hin zu Möbeln und ist in mehr als 20 Ländern Europas aktiv.

Der Standort Hückelhoven bündelt nicht nur die acht HLG-Niederlassungen in Nordrhein-Westfalen, sondern bietet mit seiner Lage im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande, der Nähe zu zwei der größten europäischen Binnenhäfen (Duisburg und Lüttich) sowie zu den Flughäfen Köln/Bonn und Lüttich, eine ausgezeichnete Ausgangsposition für internationale Aktivitäten. In weniger als vier Stunden sind fünf Länder und damit weit mehr als 18 Mio. Menschen erreichbar.


Anbindung des benachbarten QVC-Logistikzentrums

Ein ebenso wichtiger Grund für die Standortwahl des neuen West-HUB war die Nähe zum Kunden QVC. Das Teleshopping-Unternehmen betreibt in Hückelhoven seit 2002 ein inzwischen ca. 55.000 qm großes, zentrales Distributionszentrum für den deutschsprachigen Raum. Allein im letzten Jahr verließen rd. 14 Mio. Pakete das Lager. Mit HLG arbeitet der Versender seit Oktober 2004 erfolgreich zusammen. "Der Standort ist ideal, um die Zusammenarbeit mit unserem Nachbarn QVC nun noch enger zu gestalten", betonte Schneider bei der Eröffnungsfeier. So war die direkte Verbindung beider Logistikzentren über eine Förderbrücke von Anfang an geplant. Im Zuge dessen erweitert QVC zudem bis Anfang 2008 seine Lagerflächen um rd. 35.000 qm. Zur jetzigen Eröffnung auf Hermes-Seite ist der Bau beim Teleshopping-Unternehmen bereits soweit fortgeschritten, dass dieses die vorgesehenen bis zu 11.000 Einheiten pro Stunde über die Förderbrücke in die Logistiksysteme von Hermes einspeisen kann.

Die bei QVC fertig gepackten Sendungen laufen auf zwei durchgehenden Förderbändern mit einer Kapazität von je 5.500 Sendungen pro Stunde durch ein Zwischengebäude und über die ca. 120 m lange Brücke direkt auf die Paketsorter im Hermes-HUB. Dabei wird bereits auf QVC-Seite zwischen Nord- und Süd-Sendungen unterschieden, die dann dem Förderband zu geordnet werden, das die Sendung bei Hermes direkt zum Warenausgang Nord bzw. Süd einschleust (Bild 3). "Durch die direkte Anbindung an das neue Hermes-HUB sind wir in der Lage, die Lieferzeiten an unsere Kunden deutlich zu verkürzen", unterstrich Dr. Ulrich Flatten, CEO von QVC Deutschland, bei der Eröffnung. Sämtliche Sendungen des Teleshopping-Unternehmens gehen nun ohne Umweg über die Straße direkt auf die Fördertechnik bei Hermes. Das verringert die Transportlaufzeit und erhöht die Zahl der Zustellung am Folgetag. Ausnahmen sind nur Schmuck und Kleinstteile sowie schwere oder großvolumige Sendungen. Diese werden weiterhin auf der Straße zum HUB transportiert. Kleingut kommt über den Tütensorter im Wareneingang bei HLG in den Versand, während Sendungen mit einem Gewicht von über 31,5 kg (weniger als 2 Prozent aller Sendungen) separat von Mitarbeitern verladen werden.

Auch im Bezug auf den Versand von Privatpaketen und Warensendungen anderer Hermes-Kunden betonte Rainer Kiehn, Bereichsleiter Produktion HUB bei der HLG, die sich ergebenden Lieferzeitvorteile: "Wir können die ersten Lkw hier zwischen 19 und 20 Uhr zu den Verteildepots abfahren lassen, mit der Zustellung am Folgetag. Da die Sortierung max. 30 bis 45 min dauert, können wir auch um 18 Uhr noch Sendungen im HUB auflegen und verladen."


Aufbau des Hermes West-HUB

Von der Planung über den Grundstückskauf bis zum Bau des Gebäudes wurde das Bauprojekt "West-HUB" von der Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft Casaplan GmbH, München, betreut, die in den vergangenen 12 Jahren bundesweit 33 Logistikobjekte für die HLG umgesetzt hat. Generalunternehmer für die Förderanlagen und die individuelle Software war, wie schon beim HLG-HUB in Hamburg, die Beumer Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, Beckum. Diese holte sich den bayrischen Fördertechnik- und Automatisierungs-Spezialisten Julius Lippert GmbH & Co. KG und den Be- und Entlade- sowie Weigetechnik-Experten Caljan Rite-Hite GmbH, Flörsheim, mit ins Boot. In nur sechs Monaten montierte Beumer die komplette Anlage, die insgesamt für eine Kapazität von max. 22.000 Sendungen pro Stunde ausgelegt ist. Neben den max. 11.000 QVC-Sendungen pro Stunde kann das West-HUB also stündliche weitere 11.000 Sendungen für internationale Großkunden und Versandhändler sowie für Privatkunden verarbeiten. 130 Mitarbeiter sind im 2,5-Schicht-Betrieb tätig, so dass das Sortierzentrum täglich mind. 20 Stunden arbeitet. Etwa drei bis vier Stunden steht die Anlage nachts für Wartungsarbeiten still. Fünf Techniker, von denen rd. um die Uhr jeweils einer das HUB betreut, sorgen für reibungslose Abläufe. Um Ausfallzeiten von vornherein auszuschließen, verfügen alle wesentlichen Teile der Anlage über Redundanzen.

Im Detail gliedert sich das HUB in die folgenden Bereiche (Bild 4):
– Wareneingang sowie Handaufgabe für Tüten und Kleinstpakete,
– OCR (Optical Character Recognition),
– 2 Paketsorter und 1 Kleingutsorter,
– Volumenmessung der Sendung auf dem fahrenden Sorter,
– Warenausgang Päckchen und Pakete sowie Tüten; jeweils nach Nord und Süd getrennt,
– Brücke zu QVC,
– Retouren.







Im Wareneingang müssen Kartons, Tüten und Kleingut unterschiedlicher Größe aus Papier, Folie, Pappe und Kunststoff sowohl von QVC als auch von anderen Geschäfts- und Privatkunden umverteilt werden. Dafür werden die angelieferten Paletten oder Corletten über eine Kippstation bzw. teilweise per Hand direkt auf das Einschleusband zum Paketsorter entladen. Tüten und Kleinstpakete gelangen per Handaufgabe auf den Kleingutsorter, werden entweder direkt verladen oder zu Vollwannen zusammengefasst und gelangen anschließend auf den Paketsorter. Der 164 m lange Kleingutsorter hat eine Kapazität von 5.500 Stück in der Stunde und leitet die Versandeinheiten über 80 Sorterrutschen ab.

Im Bereich OCR (Optical Character Recognition) findet eine Handschriftenerkennung für die Pakete statt, die nicht über einen Barcode verfügen (meist Privatpakete). Die Pakete werden dort umetikettiert und finden dann ihren Weg auf den Paketsorter, auf dem neuste Barcode-Lesetechnik mittels 3-Seitenlesung per Kamera bzw. Scanner für die Identifikation der Sendungen und eine entsprechende Weiterleitung sorgt. Täglich werden im OCR etwa 10.000 Sendungen erfasst, mit einer Trefferquote von 60 bis 70 Prozent.

Die beiden Hochleistungskippschalensorter mit einer Gesamtlänge von 681,7 m laufen auf zwei Ebenen horizontal übereinander durch das komplette Gebäude. Zusammen verfügen die Paketsorteranlage über die o.g. Kapazität von 22.000 Sendungen/Stunde. Sie werden von acht Einschleusungen aus den externen Bereich, acht Einschleusungen aus dem internen Bereich sowie jeweils zwei Einschleusungen aus dem OCR-Bereich und dem "No Read"-Bereich versorgt. Von den Paketsortern werden die Versandeinheiten über 80 Wendelrutschen je nach Destination in Richtung Warenausgang Nord bzw. Süd abgeleitet (Bild 5).

Zur hohen Leistungsfähigkeit des HUB tragen laut Hartmut Ilek, Geschäftsführer der Hermes Logistik Gruppe, "die technischen Innovationen bei. Insbesondere die geeichte Volumenmessung der Sendung, diese Messvariante wird in Deutschland auf dem fahrenden Sorter erstmals angewandt." Der Einsatz dieser Messvariante erlaubt u.a. die genaue Berechnung der benötigten Transportkapazität. (Dadurch können Fahrzeuge besser ausgelastet und die Tourenplanung weiter optimiert werden, zusätzlich führt dies zu einer Reduktion der CO2-Emissionen.

Dem Bereich Retouren kommt in der Versandhandelsbranche eine besondere Bedeutung zu, Zeit ist hier ein extrem wichtiger Faktor. Der Kunde soll die Ware möglichst schnell geliefert bekommen, da zwischen der Bestellung und dem Erhalt der Ware - im Gegensatz zum Kauf in einem Geschäft - Zeit vergeht. "Entsprechend unseres Servicegedankens streben wir eine möglichst kurze Lieferzeit an. Die Erweiterung des Distributionszentrums bringt uns hier einen großen Schritt weiter", so Dr. Thomas Lindenmann, Senior Manager Logistics Strategies bei QVC. In Hückelhoven kann HLG bis zu 10.000 bis 15.000 Retouren pro Tag handhaben. Fürs Erste werden jedoch nur QVC-Retouren im neuen HUB bearbeitet, diese werden entladen und direkt über Retourenbänder zurück zum Teleshopping-Unternehmen geschickt. Wobei auch der Rückversand auf zwei Förderbändern erfolgt, die bei QVC in unterschiedliche Lagerbereiche führen. So werden die Retouren bereits vorab lagergerecht nach großvolumigen und kleinvolumigen Waren getrennt, eine genaue Kontrolle und Aufbereitung findet dann bei QVC statt.


Ausblick für die Erweiterungen bei QVC

Insgesamt investiert QVC rd. 45 Mio. Euro für die neuen Erweiterungen seines Distributionszentrums. Für den Neu- und Ausbau ist die Köster AG, Osnabrück, als Generalunternehmer zuständig. Die Firma Interroll Automation, Sinsheim, hat bei QVC alleine für die Anbindung an Hermes 1,6 km Gurte und Rollen für die Fördertechnik sowie ca. 400 Antriebe installiert. Bei der Planung der Anlagen haben sowohl das Teleshopping-Unternehmen als auch die HLG sehr weitreichend geplant. So können die Kapazitäten auf beiden Seiten bei Bedarf problemlos weiter erhöht werden. Die HLG hat z.B. die Möglichkeit auf einer Ebene über den beiden vorhandenen Kippschalenanlagen einen dritten Paketsorter einbauen zu lassen. QVC hat neben den noch im Bau befindlichen Lagerflächen theoretisch Platz für vier weitere Förderbänder in Richtung Hermes. Die einzige bauliche Veränderung, die eine derartige Erweiterung mit sich bringen würde wäre die Anpassung der Verbindungsbrücke, aber auch hier wurde bereits so vorausschauend gebaut, dass die Brücke über den nötigen Platz verfügt. Lediglich einige Platten müssten entfernt werden, um innerhalb der Verbindung Platz zu schaffen. "Eine Jahreszahl für so eine Erweiterung lässt sich von HLG-Seite aus noch nicht nennen. Im Moment ist das noch Zukunftsmusik. Das Wachstum der nächsten Jahre wird zeigen wie und wie schnell es dahingehend weitergeht", betonte Kiehn.


Bild 1: Die Außenansicht des West-HUB mit der Verbindungsbrücke zu QVC (links).
Bild 2: Die beiden HLG-Geschäftsführer Hanjo Schneider (mitte) und Hartmut Ilek (rechts) bei der feierlichen Eröffnung.
Bild 3: In der Verbindungsbrücke laufen zwei Förderbänder von QVC in Richtung Hermes-Warenausgang Nord bzw. Süd an der Decke verlaufen zusätzlich die beiden Retouren-Bänder.
Bild 4: Die Übersichtstafel zeigt den Aufbau des Hermes-HUB mit den einzelnen Gewerken.
Bild 5: Die beiden Paketsorter laufen auf zwei Ebenen direkt übereinander durch das gesamte HUB und kippen die Versandeinheiten in eine der 80 Wendelrutschen. (Mehr Artikel von Logistik für Unternehmenmehr)
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Datum: 13.12.2007
Quelle: Logistik für Unternehmen
Redakteur: bvj
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