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Newcomer aus Gotha hängt etablierte Kipperhersteller ab |
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Die Liste erfolgreicher Privatisierungen in den Neuen Bundesländern ist nicht sehr lang: Als vor zehn Jahren der ehemalige Lieferant der Wartburg-Fahrwerke in Gotha zum dritten Mal privatisiert wurde und der Trailerhersteller Schmitz Cargobull einstieg, sagten viele ein erneutes Scheitern vorher. Doch stattdessen entwickelte sich ein wachstumsstarker Newcomer, der mit seinen Kippern und Containerfahrzeugen innerhalb kürzester Zeit die etablierten Hersteller in Europa abgehängt hat.
Mehr als 750 statt der anfangs 147 Mitarbeiter sorgen heute dafür, dass im laufenden Geschäftsjahr über 12.500 Fahrzeuge und nicht nur 250 Einheiten (1997) in Gotha produziert werden – Tendenz weiter steigend. Der Erfolg des Kompetenzwerks für Schüttgut- und Intermodalfahrzeuge im Verbund der Schmitz Cargobull AG beruht auf zwei wesentlichen Faktoren: Zum einen schufen kontinuierliche Investitionen in Fahrzeugentwicklung und effektive Produktionssysteme die technischen Voraussetzungen für das rasche Wachstum. Zum anderen konnte flankiert von der konzerneigenen Vertriebsorganisation schnell eine flächendeckende Marktpräsenz in ganz Europa erreicht werden.
Der Markt für Schüttgutfahrzeuge ist noch immer eher von nationalen Herstellern geprägt. "Wir haben für alle wichtigen Märkte spezielle Lösungen aus dem Modulbaukasten parat – von Leichtgut bis Heavy Duty", sagt Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Schmitz Cargobull AG. Das Werk Gotha wurde von Beginn an gezielt als drittes Kompetenzwerk des Konzerns aufgebaut. In eine neue Halle für die Muldenfertigung investierte der Konzern ebenso wie in die ständige Weiterentwicklung von flexibel einsetzbaren Container-Chassis. So erhielten die Gothaer den Trailer Innovationspreis 2007 für das Containerfahrzeug mit Sliding Bogie-Technologie. Einmalig ist auch die neu errichtete Kipper-Versuchsanlage. Standfestigkeit, Torsionsverhalten und Hydraulik der Kipper können auf dem Prüfstand optimiert werden.
Mit dem steigenden Absatz kamen auch der schrittweise Umbau der Produktion zur Serienfertigung und der Automatisierungsgrad voran. So gingen zu Beginn des neuen Geschäftsjahres die neue Lackieranlage und eine Elektro-Hängebahn in der Fahrzeugmontage in Betrieb. Neue Abläufe im Rohbau sowie die Modulfertigung sollen weitere Kapazitätssprünge in den kommenden Jahren zulassen. Diese sind dringend nötig, denn der europaweite Boom in der Baubranche und im Containerverkehr führt zu Lieferengpässen. Die Produktion in Gotha ist bis ins Frühjahr 2008 voll ausgelastet.
"Wir gehen davon aus, dass die starke Nachfrage mindestens bis Anfang 2009 anhält", erklärt Geschäftsführer Reinhard Eberle. Die weitere Optimierung der Abläufe zielt auf eine jährliche Produktion von 18.000 Einheiten im Jahr 2008/2009 ab. Wesentlich trägt auch die Standardisierung zur Vereinfachung bei. "Die Zahl der Teile soll von derzeit ca. 38.000 Identnummern auf 15.000 gesenkt werden", beschreibt Eberle das Ziel. Die Flexibilität für individuelle Kundenlösungen bleibt erhalten. Bis zu 250 Fahrzeugtypen lässt der Modul- und Materialkatalog zu.
Die etablierten Sattelkipperhersteller hat Schmitz-Gotha binnen weniger Jahre abgehängt. Im wichtigsten Markt Deutschland beispielsweise wächst Schmitz Cargobull schneller als der Rest. Nach 380 Sattelkippern im Frühjahr 2006 wurden im Frühjahr 2007 bereits 614 aus Gothaer Produktion neu zugelassen (plus 61 Prozent). Der Gesamtmarkt wuchs laut Kraftfahrtbundesamt im selben Zeitraum um 27 Prozent, von 1.398 auf 1.774 neue Sattelkipper.
Bild: Produktion Gotha
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