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Erfolgreiches Innovationsmanagement in der Beschaffungslogistik |
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von Frauke Heistermann
Auszug aus: Innovationsmanagement in der Logistik, Band aus der BVL-Schriftenreihe Wirtschaft & Logistik
Aktuell befassen sich viele Unternehmen mit Innovationen in der Beschaffung. Die Beschaffungslogistik ist ein exzellenter Nährboden für Innovationen: Sie bietet umfassende Optimierungsmöglichkeiten und Einsparpotenziale. Aufgrund der vielen verschiedenen Beteiligten entlang der Logistikkette stellt die Organisation der Beschaffung für die Logistik- und Einkaufsverantwortlichen oft eine große Herausforderung dar. Angefangen bei den diversen Lieferanten, über die abholenden Logistikdienstleister bis hin zum Besteller gilt es, die verschiedenen Unternehmen mitsamt ihren heterogenen IT-Systemen zu integrieren und zu steuern.
Aufgrund ihrer Vielfältigkeit und Komplexität bietet die Supply Chain umfassende Ansätze für Innovationen. Diese zahlreichen Chancen bergen aber auch gleichzeitig viele Risiken, welche die Umsetzung von Innovationen deutlich erschweren. Umso wichtiger ist es daher, bei der Umsetzung von Innovationen einen klaren Innovationstreiber zu definieren. Innovationsvorhaben laufen ansonsten Gefahr, schnell im Dschungel der Beteiligten und Einzelinteressen zu versanden.
Die Frankenthaler AXIT AG betreibt mit der Logistikplattform AX4 eine unternehmensübergreifende Plattform zum Supply Chain Management. Innovation ist schon allein aufgrund der modernen Technologie und der neuen Logistikkonzepte, die der Plattform zugrunde liegen, ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Viele Unternehmen, welche die Logistikplattform AX4 nutzen, gehören zu den Innovatoren der Logistikbranche. Daher werden nachfolgend Innovationsvorhaben anhand einiger Praxisbeispiele aus dem Umfeld der Logistikplattform AX4 dargestellt.
Innovationsvorhaben aus Verladersicht
Innovationstreiber ist in folgendem Beispiel ein großer First-Tier-Zulieferer aus der Automobilbranche. Seine Beschaffungslogistik bot ihm in der Ausgangssituation wenig Transparenz: Die Daten wurden aus Systemen ausgegeben und mussten neu erfasst werden. Außerdem entsprachen sie nicht den physischen Sendungen und waren unvollständig. Es gab viele verschiedene Schnittstellen und Bruchstellen zwischen den Systemen der Beteiligten.
Hoher Leidensdruck ist ein wirksamer Beschleuniger von Innovationen:
Aus Kosten- und Qualitätsgründen war das Unternehmen gezwungen, Veränderungen vorzunehmen. Dieses Beispiel zeigt, dass ein hoher Leidensdruck ein sehr wirksamer Beschleuniger für die Umsetzung von Innovationen sein kann. Das Unternehmen setzte sich zum Ziel, seine Beschaffungslogistik mit den vielen Beteiligten der Prozesskette über eine zentrale Plattformlösung abzuwickeln: ca. 450 Lieferanten, die europaweit verteilt sind, sowie 15 abholende Gebietsspediteure waren zu integrieren. Folgende Hauptziele waren mit dem Innovationsvorhaben verbunden:
1. Erreichung einer hohen Transparenz über die gesamte Prozesskette, von der Lieferabrufübermittlung bis zur Auslieferung
2. verbesserte Steuerung der eingehenden Transporte sowie
3. hohe Qualität der Daten, die auch den physischen Sendungen entsprechen
Nachdem im Rahmen der Konzeptphase und des dort durchgeführten Piloten die Lösung definiert und auf Praxistauglichkeit geprüft wurde, ging der First-Tier-Automobilzulieferer nun nach ca. fünf Monaten in die Umsetzungsphase, d.h. in den Roll Out. Selten scheitern in dieser Phase noch Innovationsvorhaben, sie können aber deutlich verzögert werden. Um dies zu vermeiden, lag auch hier das größte Augenmerk auf der professionellen Integration der verschiedenen Beteiligten. Während in der Konzeptphase die Herausforderung in dem Abgleich der verschiedenen Zielperspektiven der Gruppierungen Kunde, Lieferanten und Logistikdienstleistern sowie deren Harmonisierung lagen, war nun der Fokus auf der Organisation der Umsetzung in der "Masse".
Innovationsvorhaben aus Sicht eines Logistikdienstleisters
Ein großer Logistikkonzern bewarb sich um ein Logistikkonzept für einen Kunden zur Optimierung der Beschaffungslogistik. Der Anspruch des Logistikdienstleisters war es, seinem Kunden mehr als nur den reinen Beschaffungstransport zu bieten. Mithilfe einer Integrationslösung von Logistikdienstleistungen und IT-Unterstützung für die gesamte Prozesskette wollte der Logistiker dem Kunden eine USP (unique selling proposition: Alleinstellungsmerkmal) bieten, um hierüber die Ausschreibung zu gewinnen, was letztlich gelang. Durch die ganzheitliche Betrachtung der Beschaffungsprozesse – sowohl der physischen als auch der informatorischen – konnte das Logistikunternehmen seinem Kunden ein attraktives Logistikkonzept bieten, das auf eine langfristige Partnerschaft und Kundenbindung ausgelegt ist.
Konkrete Aufgabe des Logistikdienstleisters war es, im Auftrag seines Kunden die komplexen Beschaffungsketten von Asien nach Europa zu managen. Hierzu zählten u.a. die Steuerung und Integration verschiedener in Asien ansässiger Lieferanten sowie der abholenden Spediteure, die Realisierung von Bündelungs-Potenzialen bei der Abholung und die Gewährleistung eines durchgängigen Tracking-Systems von der Abholung bis zur Zustellung.
Das Innovationsvorhaben dieser Lead-Logistics-Lösung umfasste eine integrierte, physische und informatorische Dienstleistung von dem Bestellmanagement über die Abholung bis zur Zustellung: Der Logistikanbieter wollte damit eine Logistiklösung aus einer Hand liefern, anstatt eine Vielzahl heterogener Schnittstellen mit diversen Logistikpartnern über Insellösungen zu managen. Auch in diesem Fall bediente sich der Logistikdienstleister der Plattform AX4. Neuland betrat das Logistikunternehmen insbesondere im Bereich des Lieferantenmanagements. Statt nur Sendungsdaten zu bearbeiten, begann sein Auftrag nun schon weit vorher, nämlich bei dem Monitoring von Bestelldaten und der Steuerung der Lieferanten.
Da vorher kein dezidierter Pilot stattgefunden hat, wurden Meilensteine für die Realisierung festgelegt, um die Lösung in überschaubaren Teilschritten auszurollen. Wichtig war, dass mit jedem Teilabschnitt bereits ein Zusatznutzen realisiert werden konnte. Somit wurde das Innovationsvorhaben besser steuerbar, und mögliche Risiken in der Umsetzung konnten durch die einzelnen Teilschritte reduziert werden. Die Einbeziehung des Kunden von Beginn an war auch für den Roll Out von großer Bedeutung. Im Gegensatz zu dem ersten Fallbeispiel hat der Lead-Logistiker als Innovationstreiber keine direkten Weisungsbefugnisse auf die beteiligten Lieferanten. Diese stehen nur mit dem Kunden in einem Vertragsverhältnis, nicht aber mit dem Lead-Logistikdienstleister. Dieses nicht vorhandene Vertragsverhältnis kann sich zu einer Hürde für die Umsetzung entwickeln, wenn die Lieferanten die von ihnen geforderten Tätigkeiten blockieren. Hier zeigte sich die hohe Bedeutung der Vorarbeiten in den vorhergehenden Phasen:
1. Klare Kommunikation und Definition der Aufgaben, so dass der Kunde die klare Aufgabe hatte, die Lieferanten vorab über die Prozesse zu informieren.
2. Einbindung von Vertretern der Lieferanten und auch der Subdienstleister, um sicherzustellen, dass die Lösung durch diese auch entsprechend umgesetzt werden konnte und um mögliche Widerstände von Beginn an zu reduzieren.
Ausblick
Beiden Innovationsvorhaben – ob Verlader-getrieben oder Logistikdienstleister-getrieben – liegt, wie eingangs beschrieben, der Beschaffungsprozess zugrunde. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied: Der Logistikdienstleister muss sicherstellen, dass die Innovation auch für andere Kunden multiplizierbar ist. Dieses Ziel erfordert einen deutlich weiter gefassten und vorausschauenderen Ansatz. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Verlader-getriebenen Innovation aus dem ersten Praxisbeispiel, der ausschließlich im Rahmen seiner "Unternehmenswelt" darauf achten musste, dass die Innovation z.B. durch alle Werke genutzt werden konnte.
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