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Am 24. August 2007 hat Kombiverkehr den Verkehrsministerien der Länder eine aktuelle Stellungnahme zum Thema "Gigaliner-Fahrzeugkonzepte" zukommen lassen. Die Inhalte des Schreibens geben wir nachstehend bekannt:
Frankfurt am Main, 24. August 2007
Gigaliner-Fahrzeugkonzepte
Sehr geehrte/r Frau/Herr Minister/in,
Kombiverkehr, ein Unternehmen, das zu gleichen Teilen von Logistikdienstleistern und der Deutschen Bahn getragen wird, ist Marktführer im Kombinierten Verkehr Schiene-Straße in Europa. Dieses Verkehrssystem ist sowohl kosteneffizient als auch umwelt- und klimaschonend. In den letzten fünf Jahren hat Kombiverkehr das Beförderungsaufkommen um 50 Prozent auf über 2 Millionen TEU gesteigert. Dies entsprach im Jahr 2006 einer Straßenentlastung von täglich 3.700 LKW-Fahrten über durchschnittlich 800 km Entfernung.
Grundlage dieses Erfolgs sind die erheblichen Investitionen, die nicht nur wir, sondern alle intermodalen Akteure wie Spediteure, Bahnen und Waggonvermieter sowie auch der deutsche Staat über die Förderung von Terminals getätigt haben. Die anhaltende Diskussion über die Frage, ob in Deutschland Gigaliner-LKW mit höherem Gesamtgewicht und/oder größerer Länge zum Einsatz kommen werden, hat zu einer Verunsicherung geführt, ob sich diese teilweise sehr langlebigen Investitionsgüter dann noch amortisieren könnten.
Wir begrüßen es deshalb, dass Sie gemeinsam mit den Verkehrsministern der anderen Bundesländer und dem Bundesverkehrsministerium in den nächsten Wochen eine Entscheidung über die Zulassung dieser Fahrzeugkonzepte treffen und damit Klarheit und Planungssicherheit schaffen wollen.
Wir erlauben uns, Ihnen nachfolgend unsere Gründe zu erläutern, warum wir die Einführung von Gigaliner-LKW als nachteilig für den Kombinierten Verkehr und den Logistikstandort Deutschland ansehen, und ergänzen damit unsere Stellungnahme zu den Argumenten der Gigaliner-Befürworter im Vorwort unseres Geschäftsberichts 2006 (siehe Anlage):
(1) K+P Transport Consultants haben im Auftrag des BMVBS herausgefunden, dass bei Einführung eines 60-Tonnen-Gigaliners infolge des Kostenvorteils über 30 Prozent des derzeitigen Aufkommens im Kombinierten Verkehr (KV) in Deutschland gefährdet wären. Damit sehen wir das Ergebnis des von uns beauftragten Gutachtens des Beratungshauses TIM Consult bestätigt, wonach sogar 55 Prozent des Volumens von der Schiene zur Straße zurück verlagert werden könnte. Denn die K+P-Studie berücksichtigt anders als die von TIM Consult nicht den alpenquerenden Verkehr, der etwa 50 Prozent des gesamten europäischen KV umfasst.
(2) Aber selbst wenn in Deutschland "nur" längere LKW-Kombinationen bis 25,25 m unter Beibehaltung von 40 t Gesamtgewicht zugelassen würden, veränderte sich die kostenbezogene Wettbewerbssituation zum Nachteil des Kombinierten Verkehrs - und im Übrigen auch des Wagenladungsverkehrs. Diese Gigaliner-Kombinationen würden zunächst mehr die nationalen KV-Netze angreifen, da hier eher volumenorientierte Waren befördert werden. Dies träfe die Angebote von Wettbewerbern wie Hellmann und DHL mindestens ebenso wie das Kombiverkehr-Netz und den Containerhinterlandverkehr.
(3) In den vergangenen Jahren haben wir unsere nationalen und europäischen Ganzzugnetze zunehmend miteinander verknüpft. Grundlage dafür ist die Bündelung verschiedener nationaler und internationaler Destinationen in einem Zug. An logistischen Knoten, KV-Terminals wie Hamburg, Duisburg, Köln, Ludwigshafen oder München, werden die internationalen Sendungen von nationalen auf grenzüberschreitende Züge umgeschlagen. Mit diesem sog. Gateway-Konzept können wir auch Regionen in Deutschland, die nicht über direktzugfähige Volumina verfügen, in ein wettbewerbsfähiges Kombi-Netz integrieren. Wenn infolge des Einsatzes von Gigalinern nationale Verkehre verloren gingen, kämen - gleich einem Domino-Effekt - auch internationale Relationen wirtschaftlich unter Druck.
(4) Im Kombinierten Verkehr ist Deutschland führend in Europa und zugleich der Motor für Innovationen. Jede zweite Tonne an Gütern, die Züge des Kombinierten Verkehrs Schiene-Straße in Europa bewegen, wird über das deutsche Schienennetz befördert. Der Erfolg beruht auf dem Know-how der intermodalen Akteure, der Entwicklungspartnerschaft zwischen Speditionswirtschaft, Eisenbahn, Häfen und Verladender Wirtschaft und einer zielgerichteten und stetigen Verkehrspolitik in Deutschland, die für verlässliche Rahmenbedingungen für Anbieter und Nutzer des Kombinierten Verkehrs gesorgt hat. Diese multimodale Kompetenz wird bei internationalen Standort-Rankings immer wieder als Pluspunkt des Logistikstandorts Deutschland gewertet. Die Zulassung von Gigaliner-LKW könnte diesen wichtigen Standortfaktor erheblich beeinträchtigen.
Wir dürfen Sie höflich bitten, bei der bevorstehenden Entscheidung über die Zulassung von Gigaliner-Fahrzeugen neben Infrastruktur- und Verkehrssicherheitsaspekten auch die Auswirkungen auf den verkehrsträgerübergreifenden Wettbewerb zu berücksichtigen. Der bestehende, seit vielen Jahren stabile Rechtsrahmen für den Straßengüterverkehr hat für Planungssicherheit bei Investoren gesorgt und war damit Voraussetzung und gleichzeitig Garant für eine optimale Vernetzung aller Verkehrsträger und ein effizientes Gesamtverkehrssystem in Deutschland. Mit einer Entscheidung zur Beibehaltung der gültigen Abmessungen und Gewichte für alle Fahrzeugkombination sichern Sie diese erfolgreiche Komponente einer integrierten deutschen Verkehrspolitik und erhalten gleichwertige Wettbewerbsbedingungen für Straße und Schiene.
Mit freundlichen Grüßen
KOMBIVERKEHR
Geschäftsführung
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