|
Auf dem 7. Deutschen Logistik- und Versandleiter-Tag in Berlin sind AXIT, BMW und Interspe Hamann mit dem Kooperationspreis Transport und Logistik 2002 ausgezeichnet worden. Zentraler Bestandteil der prämierten Lösung ist die Logistikplattform AX4, über die eine Tracking & Tracing Lösung mit kontrollierter Abholung im Bereich Beschaffungslogistik implementiert wurde.
Der Preis wurde gemeinsam vom Bundesverband Werkverkehr und Verlader (BWV) und der DVZ Deutsche Logistik-Zeitung ausgeschrieben. Bei der Bewertung der eingereichten Lösungen zählten insbesondere die Möglichkeiten zur Integration entlang der Logistikkette sowie eine enge Einbindung der Partner, um Medienbrüche zu vermeiden und Durchlaufzeiten zu verbessern. (Im Bild von links nach rechts: Prof. Hans-Helmut Grandjot, FH Heilbronn (Laudator), Leo Dempfle, BMW AG (Preisträger), Helmut Tonch, Hamann International (Preisträger), Christian Labrot, Hauptgeschäftsführer BWV, Christian Berentzen, Strothmann Spirituosen (Gewinner des Vorjahres), Frauke Heistermann, AXIT AG (Preisträger) und Frank Schnell, Chefredakteur DVZ.)
Die ausgezeichnete Lösung
Das wesentliche Ziel der ausgezeichneten Lösung ist es, die Transparenz im Bereich der Beschaffungslogistik für den Hersteller BMW drastisch zu erhöhen. Die Materialplaner von BMW sollen dabei zum frühestmöglichen Zeitpunkt über Abweichungen zu ihren Bestellungen informiert werden, um mehr Handlungsspielraum für die Planung von Alternativen zu gewinnen. Hierzu werden die Lieferanten und Logistikdienstleister von BMW, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, in eine einheitliche Trackinglösung integriert. Um Medienbrüche ebenso wie hohe Implementierungskosten zu vermeiden, nutzen alle Beteiligten (BMW, Interspe Hamann, Lieferanten) die neutrale Logistikplattform AX4. Über eine universelle Schnittstelle kann jeder der Teilnehmer einfach an AX4 angeschlossen werden, ohne hierzu Eingriffe in seinem eigenen Inhouse-System vornehmen zu müssen. Über Internet haben alle Partner Zugang zu den jeweils für sie bestimmten Daten.
Realisierungsstufe 1
In Stufe 1 sendet BMW über eine XML-Schnittstelle an AX4 eine Kopie der Lieferabrufe, die parallel auch weiter an die Lieferanten übermittelt werden. Interspe Hamann verfügt über ein eigenes Account in AX4. Über eine Maske sieht der Logistiker aktuelle Lieferabrufe, kann sich aber auch in der Zukunft liegende Lieferabrufdaten bereits anschauen, um seine Kapazitäten frühzeitiger zu planen. Aus den Lieferabrufen generiert der Logistikdienstleister anschließend Sendungen, indem er sie nach verschiedenen Kriterien, wie z.B. Lieferant, Zustelldatum, Empfänger sortiert. Für die generierten Sendungen druckt sich Interspe Hamann über AX4 ein Pick Up Sheet aus, das bei der Abholung zum Abgleich mit der tatsächlich bereitgestellten Ware dient. Nach der Abholung loggt sich Interspe Hamann wieder in AX4 ein, ruft das Pick Up Sheet auf und bestätigt die dort aufgeführten Positionen oder gibt Änderungen ein (z.B. Differenz bei der Menge). Auch für den weiteren Transportverlauf werden durch Interspe Hamann Sendungsstati zurückgemeldet, die vorher gemeinsam mit BMW festgelegt wurden. Für die entsprechenden Rückmeldungen bietet AX4 verschiedene Optionen: Internetmaske, Schnittstellen oder Datenübermittlung via Handy bzw. Telematikeinheiten.
Sobald eine Abweichungen in AX4 erfasst wurde, erhält der Materialplaner bei BMW automatisch eine Negativ-eMail. Parallel kann er sich jederzeit in AX4 einloggen und sieht unter seinem Login den aktuellen Status zu den Lieferabrufen. Eine gezielte Suche nach einzelnen Lieferabrufen ist z.B. durch Eingabe der Artikelnummer oder der eigenen Bestellnummer möglich.
Aufschaltung der Lieferanten-Accounts
In Stufe 2 werden die Accounts für die Lieferanten freigeschaltet. Hierüber sehen die Lieferanten jeweils die für sie bestimmten Lieferabrufe und können diese bereits vor der Abholung durch den Logistikdienstleister bestätigen oder Änderungen erfassen. Damit ist es BMW möglich, Abweichungen noch früher - nämlich bereits vor der tatsächlichen Abholung - zu erkennen. Der Logistikdienstleister empfängt nach der Rückmeldung des Lieferanten automatisch eine eMail mit dem Abholauftrag. Die klassische Avisierung per Fax oder Telefon entfällt. Ergänzend zu Stufe 1 erhält BMW hier auch eine Negativ-Information, wenn vom Lieferanten bis zu einem Tag X die Bestellung noch nicht zurückgemeldet wurde.
Eine schnelle Realisierung mit geringen Implementierungskosten konnte erreicht werden, da BMW, Interspe Hamann und die Lieferanten die bereits bestehende Lösung von AX4 nutzen, die nur noch an die individuellen Bedarfe angepasst werden musste.
BMW erhält durch die Lösung mehr Planungssicherheit für die Beschaffungs- und Produktionslogistik. Ein wichtiger Handlungsspielraum durch rechtzeitige Informationen wird gewonnen. Zudem wird angestrebt, durch mehr Transparenz in der Beschaffung die Sicherheitsbestände zu reduzieren.
Auch wenn BMW Hauptnutzer des Systems ist, profitieren die beteiligten Partner ebenfalls von dem System. Dies führt zu einer hohen Akzeptanz und unterstützt eine erfolgreiche Realisierung in der Praxis. Interspe Hamann erhält beispielsweise mehr Transparenz zum Abholvolumen, da bereits Lieferabrufe, die sich "in der Pipeline" befinden, eingesehen werden können. Dies führt zu einer besseren Planung und Auslastung von Transportkapazitäten. Logistikdienstleister und Lieferanten sparen sich zudem Zeit für die Beantwortung von Anfragen und Telefonaten mit den Materialplanern von BMW.
|